Arbeit ist Vertrauen

Selbstverständlich gehen wir immer davon aus, dass, wenn wir mit unseren Hunden arbeiten, alles ganz klar ist und der Hund uns immer versteht. Hier ziehen wir unser Register der Übungen ab, mit einem Selbstverständnis, ohne unseren Hund auch nur zu beobachten, wie er eigentlich reagiert. Die wenigsten von uns beachten ihre Körperhaltung und können nicht sehen, wie der Hund darauf reagiert. Geschweige denn die Beschwichtigungssignale des Hundes, um dann verwundert festzustellen, dass der Hund eigentlich – nämlich dann bei höheren Aufgaben, bei denen es um Vertrauen geht – versagt. Selbstverständlich nehme ich mich selbst an den Ohren, weil ich im Zuge der Vergangenheit viele Trainingsfehler bei meinen Hunden gemacht habe, wo ich dann einige Jahre gebraucht habe, um dies auch zu verstehen. Verzeiht mir meine Freunde, verzeiht mir. Nun, auch ich bin Mensch, auch ich lerne. Und bin ganz sicher auch am Anfang meines Wissens. Aber gehen wir einmal ins Detail. Im Zuge vieler Fotos, die wir durchforstet haben, bin ich auf ein Foto gestoßen, auf dem ich mit meinem mittleren Rüden „Data“ abgebildet bin. Auf diesem streckt er seine Zunge leicht nach vorne. Sah vielleicht im Bild recht lustig aus, doch war es seinerzeit für mich ein Anzeichen. Ein Anzeichen, dass ich dem Hund eine Übung zumutete, die ihn schlichtweg überforderte. Klar, man erkennt oft nicht sofort die Situation, und diesen Fehler machen nicht nur Anfänger, sondern auch Profis. Anfänger, weil sie es nicht sehen, Profis, weil der Zeitdruck, der Sporterfolg und die Gewinnchancen im Vordergrund stehen. Das hat Susanne und mich bewogen, zeitweise unser Training komplett umzustellen und die Übungen so aufzubauen, dass unser Hund Vertrauen bekommt. Leichter gesagt als getan. Denn ich glaube einfach, dass das Vertrauen eines Hundes zwar als bewusstes Trainingsproblem zu sehen ist, gern aber vergessen wird. Wo sich dann aber Trainingsfehler einschleichen. Das kann ein Startwinseln oder auch beim Einweisen ein zu schnelles Aufgeben des Hundes herbeiführen. Ich habe oft Trainingskollegen dabei zugesehen, wie bei zu intensivem Handling der Hund in sich zusammenbricht. Das ist nicht so zu verstehen, dass der Hund bewusstlos wird, sondern einfach aus mangelndem Vertrauen selbst versucht, eine Lösung zu finden. Viele Hundeversuchen dann, selbst eine Lösung zu finden, indem sie dann wahllos durch die Gegend hunten, andere verharren wie eine Salzsäule und machen gar nichts. Wesensschwächere Hunde kehren dann zum Hundeführer zurück, weil sie nicht mehr wissen, was sie zu tun haben. Es wird das oft missverstanden, weil geglaubt wird, dass ein Dominanzverhalten vorhanden ist, und man muss auf irgendeine Weise einwirken.
Die Schwierigkeit liegt darin, wenn ein Hund hier defensiv oder gar offensiv handelt (defensiv: läuft zum HF zurück, macht nichts mehr, offensiv: versucht eine Lösung zu finden und huntet herum, was zum Glauben führt, dass er dominiert), dass es an uns liegt, dies zu erkennen und dementsprechend die Übung umzuleiten und zu vereinfachen. Was sich sehr einfach anhört, aber nicht immer durchführbar ist. Der dicke Fisch am Ende kommt aber. Ich habe weiters Trainingspartner beobachtet, die bei einem Training ausgezeichnet den Hund geführt haben, nur offenbar bei einem Working Test wie von Sinnen genau das Gegenteil gemacht haben – mich nicht ausgenommen. Hier verlangen wir aber von unserem Partner mit der kalten Schnauze, dass er sicher und vertrauensvoll reagiert. Absolut unmöglich. Die Wahrheit liegt im Detail. Wo wir alle uns an der Nase nehmen müssen, um richtig gute Vertrauensarbeit zu leisten. Und das beginnt in der Früh beim Gassigehen. Hier ist nicht nur der Super-Hundeführer gefordert, sondern auch der Anfänger. Dies soll nur ein Gedankenansatz sein, wie es mir immer wieder auffällt. Genau das zeigt den Unterschied zwischen zwanzig und fünfzehn oder gar weniger Punkten beim Working Test auf.

Thano