Was ist Training wert?

Geht man davon aus, dass man mit seinem Hund trainieren will, sollte man sich vorher überlegen, was man überhaupt mit seinem Hund machen möchte.
Die Meisten werden dazu genötigt, mit ihrem Hund entweder auf BGH, Working Test oder jagdlich zu arbeiten. Jetzt kommt da irgend so eine arme Sau, sei es bei einer Ausbildungsstätte oder auch bei einem Privattrainer, und möchte einen braven Hund haben. Die einen Trainer wollen den Hund gleich kastrieren lassen, die anderen „BGHsieren“ den Hund bis zum Kotzen, wo ein Hund irgendwann einmal, wenn er den Abrichteplatz sieht, die Rute einzieht und die Ohren zurück legt und vor allem vielleicht irgendwann einmal am Platz Fuß geht, dass eher einem Galeeren-Ruder gleicht als einem freudigen Hund. Draußen spielt er dann aber sowieso den Blindenhund. Am liebsten sind mir die Psychoanalytiker. Hier wird alles zerredet, zerkaut, analysiert, homogenisiert.

Ich möchte wahrlich nicht meine Trainingsmethoden in den Vordergrund stellen beziehungsweise andere runter tun. Sondern ich möchte jedem Ersthundebesitzer vielleicht einmal ein paar Tipps geben, was er machen kann, um ein Training zu haben, das für ihn etwas wert ist.

Du hast die Möglichkeit, heute mit Deinem Retriever alle möglichen Wege zu gehen. Angefangen vom braven Haushund bis zum super Field Trial Arbeitshund. Allerdings musst Du Dir im Klaren sein, was Du haben willst. Bevor Du Dir eine Ausbildungsstätte oder einen Trainer suchst, erkundige Dich einmal, was diese Dir anbieten können. Die einen bieten Psychostunden und Tralala, die anderen bieten Dir ein Familienhund-Training an, mit einem Touch Apportiertraining. Weil das arme Viecherl soll ja apportieren, da das ja ein Retriever ist und der Züchter das ja auch gesagt hat.
Die Dritten drücken dem armen Viecherl eine Ente ins Maul, die viel zu groß ist, und sagen: „Des muss sein, des is a Jagdhund!“

Ich schreibe eigentlich diesen Bericht, weil mir oft Sachen zu Ohren kommen, die haarsträubend sind. Ein Hund muss eine BGH-Ausbildung machen, damit er eine RBP machen kann, beziehungsweise manche schwören immer noch auf das heilige Kettenhalsband. Dann gibt es wieder welche, die müssen alles kastrieren, was sich durch die Weltgeschichte bewegt, und andere meinen, dass hirnloses Leinenrucken die absolute Lösung ist. Außer, dass man vielleicht seinen Bizeps trainiert und der Hund einen Halswirbelschaden bekommt, passiert überhaupt nichts. (Zwang kann eingesetzt werden, aber dazu gehört Erfahrung, und man setzt ihn nur dann ein, wenn es nicht anders geht!)
Auch eine Ernährungsumstellung ist absoluter Humbug. Die ändert nicht das Wesen des Hundes. Höchstens, er ist überfressen und lethargisch, oder unterernährt und dem Tode nahe, also auch lethargisch.
Der größte Bock, der geschossen wurde war, dass ein Trainer meinte, man verwendet beim Working Test Training keine Pfeife, das sei ja überhaupt nicht notwendig.

Absoluter Blödsinn! Eine gute Ausbildungsstätte oder ein guter Trainer ist darin zu messen, wie weit die Trainer selbst mit ihren Hunden Ergebnisse erzielt haben. Also, wenn Du zu einem Trainer gehst, dann such Dir den besten aus. Und schau Dir seine Hundelaufbahn an, und all seine Ergebnisse. Hier siehst Du den Wert und die Richtung, die diese/r TrainerIn einschlägt. Und dann stelle fest, ob es auch Deine Richtung ist. Ein Trainerausweis ist zwar gut und der Beweis, dass der Trainer oder die Trainerin geschult wurde, aber das ist wirklich nicht das Sahnehäubchen.

Als nächstes, bevor Du Dein armes Würstl den Trainern aussetzt, mache ein persönliches Gespräch mit dem Trainer/der Trainerin. Hier kannst Du Dir ein zusätzliches Bild machen und einmal feststellen, ob die Chemie passt. Jeder Trainer hat so seine eigene Linie. Und ein guter Trainer wird Dir sagen, wie seine Linie ist.
Der Einzelstundenpreis bewegt sich im Schnitt zwischen zwanzig und fünfunddreißig Euro. Alles, was drüber ist, ist Abzocke, alles was drunter ist, ist mangelndes Selbstbewusstsein. Die Ausbildungsstätten sind meistens billiger. Wobei es hier ÖRC-, ÖGV-, und Privatausbildungsstätten gibt. Die ÖRC-Ausbildungsstätten werden mitunter die vielleicht beste Ausbildung für einen Retriever anbieten können. Wobei hier die Note von Nicht Genügend bis Sehr Gut reicht…

Natürlich sind diese Club-Ausbildungsstätten billiger als die privaten. Vorsicht! Hier muss nicht die billige Club-Ausbildungsstätte gleich schlecht sein, beziehungsweise eine teure Ausbildungsstätte gleich super toll sein. Hier appelliere ich an Deinen gesunden Menschenverstand.

Ich empfehle Dir, auch wenn Du einen Familienhund hast oder möchtest, Dir eine Ausbildungsstätte zu suchen, die Dir die Ausbildung für das alltägliche Leben bringt, aber immer noch mit dem Weitblick, Deinen Retriever so auszubilden, dass Du vielleicht in zwei Jahren mit ihm zumindest auf einem Working Test oder gar später einem Field Trial starten kannst. Dann ist Dein Training etwas wert. Denn Training ist dann etwas wert, wenn Du etwas mitnehmen kannst und Du mit Deinem Hund Deine Linie findest. Dabei ist ein Trainer für Dich eine Krücke beziehungsweise ein Schlüssel, um ein Aha-Erlebnis zu haben, so dass Du weiter kommst.
Achtung jetzt! Es ist in der Hundewelt üblich, dass viele Trainer dazu neigen, andere Trainer schlecht zu machen. Der eine Trainer ist zu hart, der andere ist zu weich, der dritte weiß nichts und der vierte macht sonst noch was. Ich sage mir, jeder Trainer ist dann gut, wenn einfach die Chemie passt. Und ob er einen schlechten oder einen guten Ruf hat, ist sekundär. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass bei vielen Trainern, mit denen ich selbst trainiert habe, mein persönlicher Eindruck wichtiger war als sein Ruf. Und wenn mir etwas nicht gepasst hat, habe ich es ihm in Ruhe persönlich gesagt.
Damit kommen wir zum nächsten Punkt. Ein Trainer kann nicht riechen, was mir passt oder nicht. Und vor allem tut sich ein Trainer unheimlich leicht, wenn man ihm sagt, was man möchte oder nicht. Das gibt die Möglichkeit, das Training anders zu gestalten und dem Trainer die Chance zu geben, Dich kennen zu lernen. Denn wenn er Dich richtig gut kennt und gut einschätzen kann, mit all Deinen Fehlern, kann er effektiv mit Dir arbeiten.
Es bringt Dir auch überhaupt nichts, wenn Du Deinen Trainer anlügst, was ich auch öfter erlebe. Wenn er gut ist, weiß er es sowieso, wenn er nicht so erfahren ist, grübelt das arme Schwein von Trainer die ganze Zeit, wie er eine Lösung finden kann. Also, schäm Dich nicht, sondern lass einfach die Hosen runter. Kein guter Trainer wird Dich auslachen.
Ich habe in meiner Laufbahn oft die Hosen herunter gelassen. Bei vielen meiner Trainingspartner. Und das war auch gut so. Denn nur so habe ich gelernt.

Dies soll eine kleine Anleitung sein für Ersthundebesitzer, die eines Tages nicht aufwachen sollen und drauf kommen, dass ihr Training nichts wert war.