
Das Training ist ein Spiel
Betrachtet man, wie Trainingsgruppen oft zusammenkommen, ist immer die
aufgesetzte Heiterkeit bloß nur ein Schauspiel. Im Endeffekt will man nur
eines: Gut sein. Und dies natürlich auch oft beim Training. Ich kenne
Hundeführer, die eigentlich schon vor dem Training trainieren, damit sie
beim Training gut aussehen. Also ist Training Wettbewerb. Nein, nein, das
wird auch keiner zugeben, das stimmt alles nicht. Irrtum. Oft ist es so. Da
kann ich mich selbst an der Nase nehmen. Und ich meine, dass Selbstkritik
immer der erste Schritt zur Besserung ist. Nicht einmal habe ich mich dabei
ertappt, dass ich mich zu sehr aufgeregt habe, rein aus dem einen Grund: Man
will gewinnen, man möchte beim Training der beste sein und beim Working Test
vorne dabei. Zehn Jahre habe ich gebraucht, um das zu begreifen. Und leider
muss ich feststellen, dass dieses Problem sehr häufig auftritt.
Ich muss sagen, seit wir beide uns von großen Trainings zurückgezogen haben
und unsere Schwerpunkte setzen, ist für uns und vor allem für unsere Hunde
das Training ein Spiel geworden. Aber
nicht nur für uns – auch für viele unserer Trainingspartner. Einfach diese
mentale Geschichte. Nicht der
Working Test oder das Ergebnis ist das Ziel. Sondern das Spiel Training. Das
ist das wahre Ziel. Gehen wir davon aus, dass wir mit unserem Hund im
Schnitt sieben Jahre trainieren, davon fünfzig Prozent der aktiven Zeit des
Hundes, und dann vielleicht nur etwa fünf Prozent zu einer Prüfung gehen, so
ist das Training natürlich ein wichtiger Bestandteil.
Und: es kann ein Spiel oder ein Horror werden – für Mensch und Hund.
Die meisten von uns trainieren Standard. Beziehungsweise wird das trainiert,
was der Hund nicht gut kann. Was entsteht daraus? In den meisten Fällen
Stress. Bei unseren neu erstellten Trainingsmethoden haben wir in
beiderseitiger Arbeit erkannt, dass das Training ein Spiel sein muss. Es ist
genauso wie beim Job. Ein Job kann Spiel sein und dadurch großen Spaß
machen, oder ein notwendiges Übel sein, welches Stress hervorruft und wir
dadurch weniger Leistung bringen. Klar.
Bei unserem letzten Gruppentraining konnten wir das wunderbar beobachten,
indem wir unsere Teilnehmer zuerst in Stress versetzten. Wohlgemerkt nicht
absichtlich, aber doch gezielt. Natürlich wussten die Teilnehmer nichts
davon. Erst dann, als wir sie aufklärten und unser Training nach unserer
neuen Methode umsetzten, war das Ergebnis um hundert Prozent (!) besser. Es
war nicht der Working Test das Ziel, wir hatten erwähnt: „In vier Wochen
geht ihr zum Working Test“, dadurch gab es dann Stress, und danach: „Der
Test ist egal. Der Weg ist das Ziel!“
Und es wurde ein Spiel.
Wir Menschen neigen dazu, unseren Hunden fünf Befehle auf einmal zu geben.
Ohne zu merken, dass der Hund eigentlich, bedingt durch seine Reaktion und
seine gezeigten Calming Signals, uns einfach nicht versteht. Wohlgemerkt
aber natürlich auch sein Spiel macht. Indem er uns testet und für sich mit
seinen logischen Aktionen reagiert. Es passiert eines: Wir erzeugen Druck
und es entsteht Stress. Und das ist dann kein Spiel mehr. Das Prinzip eines
Richterkollegen aus England, mit dem wir im Jänner ein anregendes Gespräch
hatten, war, die Befehle und Übungen so weit wie möglich korrekt zu setzen.
Die Steigerungsbereitschaft zeigt uns der Hund, und wir zeigen beide in
diesem Spiel, was im Team alles möglich ist. Wir haben sehr viele eigene
Probleme aus der Welt geschafft. Was aber nicht bedeutet, dass wir unsere
Konsequenz aus den Augen verlieren. Sondern nur neue Wege gehen.
Der Spiegel unserer Psyche zeigt sich auch bei unserem Hund wider. Das Ziel
des Spieles ist es, es als Spiel zu sehen, und somit ergibt sich eine
weitaus effizientere Leistung. Dies ist die Erkenntnis, die wir auch in
unseren Trainings mit unseren Partnern gesehen haben.