Es ist wohl die größte Herausforderung, mit seinem Partner zu trainieren

Aber beginnen wir einmal bei einem Hund im Haus. Solange man einen Hund besitzt, ist es ja noch relativ leicht, den Hund aufzubauen und zu trainieren. Meist ist es der männliche Part, der die Lorbeeren einheimst, und der weibliche Part, der die Arbeit hat. Klingt unfair, und das ist es auch. Es gilt auf jeden Fall ein Grundsatz: Der mit dem Hund trainiert, der entscheidet auch. Oft genug habe ich erlebt, wenn gleichzeitig beide Partner schon während der Übung begonnen haben, zu diskutieren. Privat und auch als Trainer ist es mir dann meistens gelungen, einen von den Beiden auf Eis zu legen. Was heißt das? Während der Übung bzw. der Arbeit hat es absolut keinen Sinn, wenn zwei gleichzeitig reden bzw. einwirken. Das führt dazu, dass derjenige, der den Hund führt, genervt ist, und der, der den Hund nicht führt, noch mehr nervt. Meine Empfehlung ist hier, wenn beide denselben Hund führen, sich vorher eine gemeinsame Strategie zu überlegen, wo man gleich denselben Stil hat. Jeder Hund ist zwar personenorientiert, aber gleichzeitige Einmischung bringt überhaupt nichts. Das Ziel heißt: Vorher trainieren – nachher analysieren.
Spannend wird es, wenn jeder einen eigenen Hund führt. Meist ist es so, dass der eine Partner seinen Hund schon länger führt, und der zweite Partner meistens einen eigenen Hund kauft, weil Partner Nummer 1 nervt und Partner Nummer 2 seinen eigenen Hund haben will, wo er womöglich zeigen kann, dass er es besser kann und sich das allgemeine Suchtverhalten verstärkt hat. Ab jetzt wird es spannend. Der eine muss lernen, sich etwas sagen zu lassen, der andere muss lernen, nicht permanent belehrend zu sein. Ein schwieriges Unterfangen. Ich habe oft Freunde erlebt, die dem unerfahrenen Partner am liebsten den Hund aus der Hand gerissen hätten um ihm zu zeigen, wie es besser geht. Somit war der Ehekrach vorprogrammiert und das Wochenende verdorben. Das endet in vielen Fällen so, dass sich der zweite Partner entweder einen anderen Trainer oder Trainingspartner sucht, den Hut draufhaut und/oder nichts mehr macht. Beides unbefriedigend und sicher nicht zielführend.
Es ist klar, dass es immer wieder Spannungen gibt, wenn man ein partnerschaftliches Training macht. Und wir können nur von eigenen Erfahrungen sprechen, wie wir beide dieses Problem gelöst haben. Generell ist es so, dass man am Anfang seinen eigenen Hund hat. Und hier gilt das grundlegende Gesetz: Solange ein Partner mit seinem Hund arbeitet, hat der andere sein Maul zu halten. Jeder ist für seinen Hund verantwortlich. Und jeder hat die Arbeitsweise des anderen im Moment der Arbeit zu akzeptieren. Und das ist schwer. Ich will nicht behaupten, dass es bei uns nicht so ist, dass nicht die Fetzen fliegen. Es passiert uns oft genug, dass wir in einer heißen Phase eines Trainings die Gemüter hoch laufen. Aber es ist ein Lernen. Wir haben uns zu neunzig Prozent angewöhnt, dass wir uns am Anfang, bevor wir zu trainieren beginnen, einmal ausmachen, was wir trainieren werden. Das bringt einiges. Man kann sich im Vorhinein die Übungen überlegen und hat schon eine gewisse Linie. Das bewirkt, dass das Arbeiten im Verlauf des Trainings relativ ruhig läuft, was ein ziemlicher Garant dafür ist, dass auch der Abend ruhig wird und nicht in endlosen Diskussionen endet, wenn jeder seinen Standpunkt vertritt und der andere – sei es aus Sturheit oder verletzter Eitelkeit – beleidigt ist. Ich selbst habe oft erfahren müssen, dass mein Partner nach dem Training Fehler von mir gesehen hat, die ich dann zähneknirschend hinnehmen musste. Die Größe zu haben, auch vielleicht einmal die Meinung des unerfahrenen Partners hinzunehmen, ist ein noch stärkeres Stück Arbeit. Aber es hilft. Dieses gegenseitige Miteinander, das Lernen und Arbeiten bringt einander unheimlich viel! Das ist der Schlüssel. Meist braucht man sich dann nur ansehen, und jeder weiß, was gemeint ist. Inzwischen ist es schon so, mit manch kleinen Ausnahmen, dass wir uns heute mit kurzen Handzeichen bei einem Training verstehen und manche Fehler des anderen keiner Worte bedürfen und man sie selbst erkennt. Fazit: In mancher Hinsicht haben sich auch unsere Hunde enorm gesteigert. Dass dieses Miteinander beim Training nicht von heute auf morgen geht, ist klar. Und manchmal lässt sich der eine oder andere dazu hinreißen, in alte Fehler zurückzukehren. Aber wir sind Menschen, und nur so können wir lernen, es das nächste Mal besser zu machen. Am interessantesten bei einer Partnerschaft ist es mit Welpen oder/und Junghunden. Das Witzigste an der Sache ist, dass wir beide oft beim eigenen Welpen vieles vergessen haben und wieder neu lernen müssen. Hier ist der Partner als Außenstehender eine unheimliche Hilfe, wenn man selbst eigene Unsicherheiten hat. Lustigerweise mussten wir beide feststellen, dass der eine mit seinem Welpen die gleichen Fehler machte wie der andere mit seinem Welpen. Und der jeweilige andere wies immer darauf hin. Dabei ist es uns gelungen, es so zu machen, dass der andere in seiner Sensibilität nicht beleidigt war. Das ist aber ein langer Weg.
Wir diskutieren auch heute noch immer wieder über die eine oder andere Übung oder auch über das eine oder andere Problem unserer Hunde. Denn es gibt keinen perfekten Hund, sondern nur ein gutes Training. Aber darüber zu diskutieren ist wichtig und gut, und wir kommen auch immer zu einem Ergebnis. Es bringt mehr, wenn das erst später passiert, nach dem Training. Hier ist man dann nicht mehr so überreizt, wenn etwas nicht funktioniert hat, und man hat ein offenes Ohr, wenn der Partner anderer Meinung ist.

Nun kommen wir zum nächsten Punkt, der vielleicht noch sensibler ist, wo der Partner mit dem Hund des anderen trainiert. Wir finden alle beide, dass Trainingsprobleme oft an einem selbst liegen. Und oft hat ein Partner vom Bauchgefühl – weil er unbedarfter an das Problem rangeht – die Lösung. Das Ziel, dass der Hund nicht mehr das Problem hat, liegt auf der Hand. Und somit profitieren alle beide.

Wir hatten vom kurzem ein Erlebnis, das für uns unheimlich prägend war und wir ein großes Aha-Erlebnis hatten. Susanne hatte eine Operation und wollte trotz meinen Anweisungen, zu Hause zu bleiben, ein Training nicht versäumen. Nun, gegen die Sturheit einer Frau ist man bekannter Weise machtlos. Und so fuhren wir gemeinsam trainieren. Im Verlauf des Trainings merkte ich aber doch, dass meine Partnerin immer und immer mehr Schmerzen hatte. Und klar, es wirkte sich soweit aus, dass ihr Hund Fehler machte und Aktionen setzte, die wir schon sehr, sehr lange weg gebracht hatten. Ich habe mir dann erlaubt, ihren Hund soweit auszuarbeiten, um erstens nicht diese Fehler neu zu konditionieren, und den Hund wieder in sein ursprüngliches Trainingshoch zurück zu bringen. Ich bin mir sicher, dass Susanne in diesem Fall genauso handeln würde. Wenn man selbst in diesem Moment nicht fähig ist, aus einer Sackgasse heraus zu kommen. Wir sind heute zu neunzig Prozent ein gutes Team. Aber wer glaubt, dass das von heute auf morgen geht, der irrt.