
Einfach zum Nachdenken…
Jeden Abend – so glaube ich wenigstens, vielleicht auch nur einmal pro Woche
– läuft um kurz vor 22:00 Uhr auf Ö3 die Sendung „Einfach zum Nachdenken“.
Diese Sendung beinhaltet immer, was der Titel bereits sagt. Und ich möchte
nun auch etwas schreiben, das „einfach zum Nachdenken“ ist. Es hat zwar nur
nebensächlich mit Hunden zu tun, aber das macht nichts.
Eines meiner Hobbys ist es, Menschen zu beobachten. Das Tolle dabei ist,
dass ich es rund um die Uhr tun kann, überall.
Ich zähle nicht zu jenen, die immer im Mittelpunkt stehen und dies verbal
zum Ausdruck bringen müssen, nein,
ich halte mich immer eher im Hintergrund. Höre zu. Dies leider manchmal zu
meinem Nachteil, da ich so in der Vergangenheit schon öfter als der
seelische Mistkübel von Freunden geworden bin. Aber auch nicht ungern, muss
ich dazusagen.
Es ist nicht immer das Wichtigste, seine eigene Stimme reden zu hören.
Wichtiger sind viel mehr andere Dinge.
Dinge, die man lernen muss, zu leben und zu sehen. Und man gewinnt.
Also wie gesagt, ich höre zu und mache mir ein Bild. Ein Bild von jedem
Einzelnen. Meine Menschenkenntnis wurde so im Laufe der Jahre immer besser.
Ich sehe einen Menschen und meistens bestätigt sich dann mein erster
Eindruck. Wenn nicht, ist das auch egal. Dann werde ich eben eines Besseren
belehrt. Das freut mich. Ich lerne gerne dazu. Einer meiner Prinzipien ist
es, mir immer selbst ein Bild eines Menschen zu machen und nicht darauf zu
hören, was vielleicht die anderen sagen.
Da kommt oft ein falsches Bild auf. Und dann lernt man Leute kennen, die
wirkliche Freunde werden und lange sind.
Heute war ich mit einer Freundin einkaufen. Wieder konnte ich bei einer
Tasse Cappuccino, als wir uns vom „Einkaufsstress“ erholten, beobachten. Die
Leute haben Stress. Sie haben es immerzu eilig. Unsere Gesellschaft wird
immer schnelllebiger.
Aber warum? Die Menschen lassen sich in diesen Sog hineinziehen und es fällt
ihnen nicht einmal auf. Sie werden weltfremd.
Haben Prioritäten, die im Leben völlig unwichtig und uninteressant sind.
Meistens besinnt man sich erst, wenn etwas Schlimmes passiert. Ein Unfall,
eine schreckliche Krankheit oder sogar Tod eines geliebten Menschen.
Aber: warum besinnen wir uns nicht schon vorher?
Es ist selbstverständlich, dass wir zwei gesunde Beine haben, zwei Augen,
zwei Ohren, dass wir gesund sind und sowieso nicht krank werden. Oder älter.
Nun, älter werden wir schon, das wird vielen klar sein, doch hat man selten
vor Augen, wie schnell das Leben vorbeizieht. Stellen Sie sich vor, Sie
nehmen Sand in die Hand und lassen ihn durch die Finger laufen – so schnell
geht das Leben vorbei. Und dann ist man alt. Und fragt sich, warum man das
Leben nicht mehr genützt hat. Oder man wird krank, fragt sich dasselbe.
Manchmal verfalle ich auch in diese unnötige Problemwälzerei, ärgere mich
über etwas oder bin traurig. Doch dann besinne ich mich. Und mag die
momentane Phase noch so schwierig sein, auf einmal ist die Lösung da. Man
bleibt auf dem Boden. Ist standsicher und hat Rückgrat. Und dann entwickelt
sich immer mehr Selbstbewusstsein. Welches viele Menschen leider auch nicht
mehr haben. Das merkt man übrigens auch sofort, an Handlungen, Aussagen und
wenn diese Menschen dauernd eine Bestätigung ihrer Person durch andere
suchen.
Weiters bekommt man eine unheimlich große innere Ruhe. Das spüren die
anderen Menschen natürlich auch.
Passt manchen nicht, manche beeindruckt es. Das sagt auch viel aus.
Und dann steht man drüber. Als wenn man innerlich einen Meter größer wäre.
Es ist die innere Größe, die zählt. Man hat es dadurch zwar nicht immer
leicht, weil die anderen Menschen auf einmal durchsichtig wie Glas
erscheinen, aber es gibt einem auch eine unheimliche Stärke.
Wussten Sie auch, dass wir einen sechsten Sinn haben? Nur haben die meisten
verlernt, auf ihn zu hören. Oder können es nicht, weil sie entweder
abgehoben sind, ihnen das Wichtigste – nämlich die innere Ruhe – fehlt, oder
weil sie es einfach nicht wissen. Es nennt sich „Gefühl“. Und mein Gefühl
stimmt immer. Ich kann mich zu hundert Prozent darauf verlassen, und es hat
uns schon sehr oft geholfen. Es ist wie eine Stimme im Bauch, die sagt, was
das Richtige ist.
Und eines Morgens wachen wir auf, hören draußen die Vögel zwitschern, die
Hunde kommen und begrüßen uns, und der Tag wird einfach schön. Wenn wir dann
mit den Hunden in den Wald fahren um zu trainieren, man ist entspannt, und
die Hunde auch. Sie spüren, wie es uns geht. Wir beobachten unsere Hunde
viel intensiver beim Spiel, sie laufen durch den Wald, schaffen es immer
wieder, uns zum Lachen zu bringen, und dann riecht man ganz bewusst den Duft
des Regens. Atmet ganz tief ein, bis die Lungen sich füllen. Geht weiter,
spürt den angenehmen Druck der Steine unter den Sohlen der Stiefel. Und dann
lebt man. Und nur dann.
Susanne