Meckern ist gut, Handeln ist besser

Immer wieder treffe ich auf Retrieverclub-Kollegen, die vor sich hin murren: „Der Vorstand ist böse“ oder „die Veranstaltung war nicht gut genug“, beziehungsweise: „Ich kriege diese Papiere nicht“ oder „Dieses Vorstandsmitglied ist einfach böse.“
Klar liegt es auf der Hand, wir Österreicher sind die Meckernation. Wir verstehen es unheimlich gut, bei einer Veranstaltung dem Veranstalter ins Gesicht zu grinsen, dann nachher treffen wir uns in Grüppchen und beschweren uns. Die einfachste Form – und sicher auch die bequemste – ist, dass am nächsten Tag alles vergessen ist und wir einen neuen Grund zum Meckern finden. Gut. Wenn man die Statuten des Österreichischen Retrieverclubs liest, haben wir als Mitglieder Pflichten und Rechte. Beginnen wir bei den Pflichten. Wir sollten die Rasse fördern, die Zucht und die jagdlichen Eigenschaften der Retriever. Wir haben aber auch Rechte. Wir können bei den Veranstaltungen teilnehmen, vom Vorstand gefördert werden (über Veranstaltungen wie Show, Work, …).
Es ist immer herrlich zu beobachten, dass wir erst dann schreien und böse Briefe schreiben, wenn es um unsere eigenen Interessen geht. Dies ist nicht nur so bei Mitgliedern. Sondern manchmal auch vielleicht bei Vorstandsmitgliedern. Aber prangern wir keinen an, wir sind alle Menschen und nicht frei von Federn. Allerdings neigen wir alle dazu, uns immer vom persönlichen Blickwinkel zu betrachten. Das heißt für den Einzelnen, dass er seinen Idealismus auslebt, daher kann es dazu führen, dass man mit seiner Objektivität in eine Sackgasse gerät. Nur, mit Meckern, Beschuldigungen beziehungsweise mit Anfeindungen, kommen wir nicht weiter. Auch über alles zu schweigen ist zwar durchaus eine schlechte menschliche Eigenschaft, die zu nichts anderem führt, als dass vielleicht manche Missstände immer größer werden, weil ja sowieso jeder annimmt, dass es richtig ist, was er tut.
Also, mein Vorschlag wäre, statt zu murren, wäre es doch vernünftiger, sachlich seine Meinung kund zu tun. Oder für alle Ewigkeit nicht zu murren. Ich glaube nicht, dass man, wenn man Missstände oder Fehlentwicklungen aufzeigt, ein Feindbild der Funktionäre des ÖRC ist. Oder vielleicht doch? Nein, nein, auch Funktionäre des ÖRC sollten die Basis nie aus den Augen verlieren. Manche Funktionäre könnten ja wieder zur Basis zurückfinden.
Uns Mitgliedern wurde vor fünf Jahren versprochen, dass es ein Vorstand für die Mitglieder sein würde. Das war ein Versprechen. Ob dieses Versprechen von vielen Funktionären gehalten wird, da bin ich mir heute nicht mehr so sicher. Und dies sollte vielleicht manche unter uns zum Denken bringen. Allerdings sollte es uns Mitglieder genauso zum Denken bringen, dass wir für unsere Retriever nur das Beste wollen. Ich habe derzeit nicht das Gefühl, dass die Ausgewogenheit zwischen Funktionären und Mitgliedern optimal ist. Ich habe eher das Gefühl, dass viele den richtigen Blickwinkel verlieren.  Und jetzt ein heißer Tipp für alle, die murren beziehungsweise für die, die den Blickwinkel verlieren: Die sachliche Diskussion ist die beste Form der Demokratie. Solange man sie nicht emotional führt. (Diese Erfahrung habe ich selbst gemacht…) Murren und Abheben bringt absolut gar nichts. Auf ein fröhliches Miteinander in unserer hoffentlich noch netten Retrieverwelt.