Was das Mäxchen lernt
Im Allgemeinen ist es so, dass beim Neuerwerb eines Welpen diese sehr wohl
die wichtigste Phase in seinem Leben darstellt. Ich erlebe immer wieder
enthusiastische Welpenkäufer, die mit ihrem neuen „Familienmitglied“ doch so
wahnsinnig viel vorhaben. Also, er muss ein braver Familienhund sein.
„Vielleicht machen wir ein bisschen TAT, dann besuchen wir den Welpenkurs,
und gehen natürlich mit dem Kleinen ganz viel spazieren. Ich möchte jetzt
nicht frauenfeindlich wirken, aber gerade bei Frauen ufert es meistens -
gegenüber der wortkargen Männerwelt - oft ganz extrem aus. Der
überdurchschnittliche Wortschatz verdoppelt sich und man ist eigentlich nur
an dem Welpen interessiert. Ausgestattet mit einer Bibliothek von
Hundebüchern wird oft ein Welpe überreizt. Vergessen wir nicht die
Intelligenzspiele für Hunde, die dann auch noch angeschafft werden. So muss
dann das kleine arme Würstchen mit zwölf Wochen bereits das Matura-Niveau an
Ersteindrücken, Konditionierungen, mehreren Welpenkursbesuchen und
vielleicht noch Hundeplatz-Exzessen verarbeiten.
Was dazu führen kann, dass je nach Charakter oder Wesen des Hundes sich die
einen zurückziehen und die anderen permanent überreizt sind.
Okay. Betrachten wir es einmal von der praktisch-vernünftigen Seite. Das
Wichtigste, was mein Welpe können muss, ist einmal, Bindung zu mir zu haben.
Da brauche ich nur ein paar Mal am Tag ganz kurz mit meinem Hund am Boden
sitzen (hohes Gekreische bitte abstellen), und meinen Hund einmal berühren,
an meinen Körper heranlassen und mit ihm vielleicht maximal zwei oder drei
Minuten spielen, wobei bitte dies nicht mit einer Ausrüstung von Massen an
Spielzeug – vielleicht auch noch gleichzeitig – erfolgen sollte. Oft genügt
ein Fetzen oder nur die bloßen Hände. Hier kann auch die Retrieverpfeife
eine wesentliche Rolle spielen. Und das ist aber auch wirklich alles!
Gehen wir noch einen Schritt weiter.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass manchmal eine Zwingerbox unheimlich
wichtig ist, wo der Welpe einen Bereich hat, in den er sich zurückziehen
kann und endlich einmal zur Ruhe kommt. Gerade in Verbindung mit
menschlichem Nachwuchs – Kindern – ist es für Hunde oft nicht einfach. Und
schon gar nicht für Welpen. Einen wirklich guten Welpenkurs auszusuchen
gehört aber sicher – in Österreich – zu einer Spitzenleistung. Ich
persönlich halte einen Welpenkurs für einen jungen Hund oft als
Überforderung.
Es ist klar: Die Sozialisierung ist ein unheimlich wichtiger Aspekt. Aber in
Verbindung Sozialisierung, gleichzeitig mit einem Welpenkurs zu halten, ist
für mich schlichtweg übertrieben. Es überfordert nicht nur die Hunde,
sondern auch den Besitzer. Weil einfach nach einer Stunde beide so derartig
voll im Kopf sind, dass es oft zu Übersprungshandlungen führt und hier sich
schon sehr viele Hunde Angewohnheiten angewöhnen, wie zum Beispiel den
Welpenkurs als reinen „Spielkurs“ zu sehen und hier oft mehr falsch
angelernt wird, was eigentlich nicht notwendig ist. Denn gerade bei diesen
Welpenkursen sollte der Menschen-Welpe erzogen werden, und nicht der
Hunde-Welpe. Klar kann man mit einem einzelnen Welpen etwas vorzeigen oder
üben, doch mit allen Welpen gleichzeitig führt es nur zum Chaos. Leider
Gottes ist es auch so, dass meist die unerfahrendsten Jungtrainer eingesetzt
werden und nicht die erfahrenen Trainer.
Wir haben uns angewöhnt, dass wenn wir uns mit einem Welpen beschäftigen,
wir prinzipiell auf die Bindungsbasis gehen, wie zum Beispiel in einem
ruhigen, abgeschiedenen Wiesen- oder Ackergebiet. Einmal mit Dominanz durch
Ignoranz mit dem jungen Welpen arbeiten. Das ist wichtig. Es ist das
Fundament einer richtigen „Hundearbeit“.
Wie eine Junghundeausbildung weitergeht, berichten wir vielleicht ein
anderes Mal.