Der
Retriever – ein Jagdhund
Anhang des gleichnamigen UH-Beitrages von Nikolaus Binder-Krieglstein, August
2007
In den
stillen Momenten der Weihnachtszeit komme ich immer wieder dazu, mir manchen
UH-Bericht noch einmal in Ruhe durchzulesen und mir so meine Gedanken darüber zu
machen. Gestern Abend im Zuge eines schlechten Fernsehprogramms blätterte ich
nach, um einen Bericht von unserem Jagdreferenten nachzulesen.
Ich stehe 1:1 mit der Meinung, dass man einem unerfahrenen Welpenkäufer den Kauf
vermiesen kann, wenn man ihm erzählt, dass der Retriever ein Jagdhund ist.
Allerdings finde ich es traurig, dass unsere Retriever erst durch
ausgezeichneten Einsatz von Schweißfährte arbeiten, was für unsere alpine
Jägerschaft interessant geworden ist. Und seine Leichtführigkeit dazu
missbraucht, um zusätzliche Aufgaben wie Buschieren oder Stöbern zu arbeiten
oder den Retriever dazu heran zu ziehen.
Eines ist aber klar: Unsere Retriever stehen ihren Mann bei BLP, JBP/R, VGP,
BTR, sowie SSP und RLP sowie auch Field
Trial. Das bedeutet, dass wir mit unseren Retrievern nicht nur die typisch
englisch gewünschten Jagdeigenschaften erfüllen, sondern auch die typischen
ÖJGV-Prüfungsarten. So dass wir als stärkste Verbandskörperschaft des ÖJGV
diesen so ziemlich die lange Nase zeigen.
Trotzdem wird der Retriever heute noch von konservativen Kreisen kritisiert.
Denn allein, was ein Retriever bei einem Field Trial mit seiner
Leichtführigkeit, seinem will to please, seinem exzellentem Jagdverstand und
seiner Weichmäuligkeit leisten kann und so manch Noblesse die Blässe zeigt, bin
ich nicht verwundert, dass ein bisschen Neid gern dazu führt, Kritik zu üben.
Darum finde ich es schade, dass wir unsere Rasse immer wieder gerechtfertigen
müssen. In Form von teilweise meiner Meinung nach veralteten Prüfungsordnungen.
Statt die Vorteile unserer Rasse in einer klassischen Prüfungsform
hervorzuheben, begeben wir uns in Prüfungsordnungen, die seit vielen Jahren die
gleichen sind.
Ich wage zu behaupten, dass sich hier manche konservative Ecken (auch bei uns im
Retrieverclub) sehr bald umstellen müssen. Denn der Druck von unten wird immer
größer.
Bei einer durchschnittlichen Starterzahl von 800 bis 1000 Teilnehmern im Jahr
bei den Working Tests und bereits sich in diesem Jahr abzeichnend größeren
Starterzahlen bei den Field Trials als bei den herkömmlichen Prüfungen wie BLP
oder VGP, zeichnet sich eine Trendwende ab, die trotz aller Schwierigkeiten
nicht mehr zu stoppen ist. Und die durchaus ernst genommen werden muss.
Und gerade da bin mir sicher, dass in der nächsten Zeit der Field Trial bzw. die
Retrieverarbeit immer wieder mehr und mehr kritisiert werden wird.
Wo unsere Rasse als Zirkushund-Rasse abgestempelt wird. Ich würde mir manch
einen Vorstehhund einmal gern in der Retrieverarbeit vorstellen. Wie
leichtführig dieser ist. Wir haben unser Können mit unseren Retrievern ja schon
bewiesen. Aber bleiben wir beim Thema. Fakt ist: Wir sind einer der stärksten
jagdlichen Verbandskörperschaften des ÖJGV. Und unser Aufwärtstrend ist nicht zu
stoppen. Das muss einmal gesagt werden.
Es nervt mich immer, dass Working Tests oder Field Trials von den klassischen
Kreisen als Zirkusarbeit verdammt werden. Ich beschimpfe die klassischen
Jagdprüfungen auch nicht als Verblödungsprüfungen für Jagdhunde. Im Gegenteil!
Ich habe gelernt, sie zu akzeptieren. Unter dem Motto: „Liebe alle Deine Kinder.
Leben und leben lassen.“
Unsere Retriever verblüffen immer wieder bei jeder Jagd. Und apportieren gemäß
ihrer Rasse genauso Feder- wie Hasenwild. Mit einer ausgezeichneten
Weichmäulichkeit und dementsprechendem „will to please“. (Der Hund will seinem
Herrn gefallen)
Wohlwissend, dass bei vielen Niederwildjagden manch andere Rasse zum Beispiel
Rehwild hinterher hetzt bis ins unendliche Nirvana. Mit dem dazugehörigen
endlosen Nachpfeifen mancher verzweifelter Besitzer.
Weiters wage ich auch zu behaupten, dass viele unserer Retriever-Hundeführer,
die mit einer profunden Working Test Arbeit als Basis und einem guten Field
Trial Können im Hintergrund bei jeder Jagd brillieren können. Durchaus auch in
dem Bewusstsein, dass es in diesem Bereich immer wieder Extreme gibt. Und unsere
Hunde mit gesundem Jagdverstand durchaus überall mitbestehen können.
Und mit einem fröhlichen Miteinander und gegenseitiger Akzeptanz freue ich mich
sehr auf die nächsten Prüfungen und Jagden.