
In or out?...
Momentan gibt es im Retrieverclub wieder Modeerscheinungen. Entschuldigung,
natürlich nicht nur im Retrieverclub allein, sondern auch in anderen Ländern
Europas. Da ist auf einmal etwas „in“, weil vielleicht der eine oder andere eine
gute Erfahrung gemacht hat, man möchte es auch, will auch tun und machen,
„nachmachen“, wie Kinder oft so gern sagen. Aber hinterfragt man dies auch?
Eines ist sicher: Die Masse geht mit der Masse. Was das bedeutet? Was „in“ ist,
das machen wir eben auch. Es wird schon gut sein, wenn der eine meint, dass es
gut ist. Ohne zu hinterfragen oder gar zu überlegen, ob dies wirklich richtig,
falsch, gut oder schlecht ist. Das ist nicht nur bei den Hunden so. Das ist
immer so. Wenn die Masse springt, springe ich eben auch. Weil wenn die Masse
sagt, dass etwas gut ist, dann ist es das auch. Da bin ich zu faul, selbst zu
überlegen. Wozu auch? Das muss ja gut sein! Außerdem ist es eben „in“. Das
heißt, wenn ich es auch tue, dann bin ich cool. Dann gehöre ich dazu. Zum Clan.
Und das will ich. Dabei sein. Dazugehören.
Und die wirklich Intelligenten, die sich etwas überlegen und sagen:
„Nein, ich gehe nicht mit der Masse, ich schwimme gegen den Strom“, die Leute,
die wirklich nachdenken und ihren eigenen Weg gehen (und damit meist besser
fahren), das sind meistens Außenseiter, nervtötende Personen, weil sie anders
denken und nicht mitziehen. Wenn man einfach anders denkt, seinen eigenen Weg
geht, wie war das noch einmal? Man ist Individualist. Ist das nicht ein
schlechtes Wort in unserem Sprachgebrauch? Und diese Leute stehen auch noch
dazu, Individualisten zu sein. Herrgott! Wie gibt es denn das? Und seltsam,
wieso erreichen die mehr als ich, ich habe doch die Masse um mich, die alle
denken wie ich. Und trotzdem erreicht dieser eine, dieser Komiker, der alles
anders macht, mehr. Sei es nun die Zucht betreffend, Kleidung, die Art und
Weise, seinen Hund zu führen, einen Hund zu haben oder was auch immer.
Und dann wird es zum Beispiel auf einmal modern, Tweed zu tragen. Alle tragen
Tweed. Und dann bin ich mit ein paar anderen Österreichern im Ausland auf der
Jagd, und ein Schütze aus Deutschland hält uns für eine Familie, weil, so sagte
er, „wir alle dasselbe tragen.“ – Tweedjacken! Kann das sein? Also, da möchte
ich lieber ein Individuum mit eigener Einstellung sein. Dann trage ich das
nächste Mal eben nicht mehr Tweed. Aber dann falle ich auf. Dann hebe ich mich
ab. Ojemine! Das geht ja auch nicht. Nur nicht auffallen. Die könnten dann reden
über mich, oder?
Ein anderes Mal. Da wird es momentan auf einmal schick, den Jagdschein zu
machen. Weil man einen Retriever hat. Weil man einen Jagdhund hat. Sind das
alles Leute, die den Jagdschein machen, weil es sie interessiert? Weil sie ein
„Jäger“ oder eine „Jägerin“ sein wollen? Oder geht es nur darum, „cool“ sein zu
wollen? Dazugehören. Das ist es. Und dann ist es ja so toll, Tontauben zu
schießen. „Das ist jetzt mein neues Hobby!“
Und dann nimmt man sich einen Hund aus England. Weil das tolle Hunde sind, viel
besser als die bei uns. Dabei hört man doch immer wieder Worte von Richtern aus
England, dass die Hunde in Österreich besser sind als ihre, oder?
Aber die Hunde aus England sind die perfekten Hunde. Klar. Die können alles.
Wenn dann manch ein Züchter in Österreich aus England einen Deckrüden nimmt,
seine Linie behält und Hunde züchtet, bei denen man den Hut abnimmt, ist das
dann nicht dasselbe? Und, ein Bonus kommt auch noch: Man kennt die Linien.
Kennt man die Linien so gut, wenn man sich einen Engländer holt? Vielleicht.
Oder nicht. Dann kann man sich nur auf die Worte des Züchters verlassen, der
einem seinen besten Hund gibt. Wirklich den besten? Kennt man die Eltern so gut,
wie wenn es Österreicher wären?
Vielleicht einfach mal etwas zum Nachdenken. Und vielleicht etwas, um sich
einmal eine eigene, eigenständige und selbstbewusste Meinung zu bilden.
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