Der House-Trialer?

Jeden Tag und bei jedem Wetter gehe ich mit meinem Hund spazieren und treffe die unterschiedlichsten Menschen mit ihren – immer dazu passenden – Hunden. Staunend stelle ich mir dann oftmals die Frage, ob sich der Hund dem Herrl anpasst oder ob das Herrl sich den passenden Hund sucht, wenn auch vielleicht oder wahrscheinlich unbewusst.
Wenn man so seine bestimmten Wege oder Orte hat, auf denen man tagtäglich einvernehmlich mit seinem Hund wandert, trifft man die Leute immer öfter und es entwickelt sich eine Bekanntschaft, manchmal auch mehr daraus.
Ich treffe viele Menschen mit einem Retriever. Warum? Weil das die „perfekten Familienhunde“ sind, was man ja immer wieder zu hören oder zu lesen bekommt. Da steigt immer etwas in mir hoch, und wenn ich dann erzähle, dass der Retriever ja eigentlich ein Jagdhund ist, vernehme ich ein verwundertes „Oh!“ und „Ah, tatsächlich? Das wusste ich ja gar nicht.“ Sonderbar und traurig zugleich. Aber gut.
Oft lerne ich dann einen Menschen kennen, der sich einen so genannten Field Trial Labrador zugelegt hat. Wenn man dann diese Person in ein Gespräch verwickelt und nebenbei fragt, warum die Wahl dieser Rasse getroffen wurde, bekommt man meist folgende Antwort: „Na ja, da gibt es ja die kleinen dicken Labradors und die schlanken. Die schlanken Labradors gefallen mir besser, und deswegen wurde es dann der.“
Aha. Ich habe es bereits vor langer Zeit aufgegeben, weiter nachzufragen, denn immer bekam ich die gleichen Antworten auf meine folgenden Fragen: „Und wie beschäftigen Sie sich mit dem Hund?“ „Ich gehe in die Hundeschule.“ „Und wissen Sie, wofür diese Linie gezüchtet ist?“ „Natürlich! Als Familienhund!“
Weiters habe ich es mit der Zeit unterlassen, den Leuten ein bisschen Licht in ihr Dunkel der Unwissenheit zu bringen und mache mir mittlerweile den Spaß, die Entwicklung zwischen Hund und Hundeführer zu beobachten. Obwohl es eigentlich meist vorhersehbar endet.
Wochen später treffe ich diese Leute mit ihren Hunden zufällig wieder. Was passiert? Sie erzählen: „Also, ich weiß nicht was ich machen soll. Mein Hund zerlegt die Wohnung. Er ist hyperaktiv, auch wenn ich drei Stunden spazieren gegangen bin. Außerdem ist er so fixiert auf den Ball, dass ich nicht mehr ein noch aus weiß!“
Beobachtet man den Hund, ist er unausgeglichen, hat keinen Glanz in den Augen und interessiert sich nur für den Ball.
Ist es zu fassen, Menschen nehmen sich einen „Field Trial Labrador“ und wissen nicht einmal, wofür er gezüchtet wurde. Warum ist das so?

Ps.: Nette Idee, eine Communication zu gründen.
Von Anonym