Hallo,

bitte diesen Text veröffentlichen.

Retrieverfreund


Vor kurzer Zeit habe ich in einer Hundezeitschrift einen sehr guten Artikel gelesen, der von der Erziehung, genauer gesagt den Methoden der Erziehung unserer vierbeinigen Freunde, handelte. Und dieser Artikel hat mich mehr und mehr zum Nachdenken gestimmt.
Ich möchte jetzt von der Leiter des Working Test Sports, wo man mit seinem Vierbeiner ja ganz andere Ziele verfolgt, diesen anders anlernt als zum Beispiel einen Familienhund und anders mit ihm umzugehen weiß, herunter steigen und mich einmal zurück erinnern, wie das Thema Erziehung denn so in diversen Hundeschulen gehandhabt wurde und noch wird.

Also. Immer schon – schon als ich meinen ersten Hund hatte und mit ihm in den Welpenkurs ging (wobei dieser Welpenkurs mittlerweile ebenfalls für mich sehr umstritten ist, aber dazu ein anderes Mal) – fragte ich mich, warum die Trainer (die ich damals für die Allwissenden in der Hundeszene hielt, ich bin jedoch schnell eines Besseren belehrt worden) einige für einen Nichtwisser bodenlose Löcher, die sich so im Laufe des Lebens mit dem Vierbeiner auftun, so oder so handhabten/argumentierten. Meist, so will ich sagen, wunderte ich mich sehr.

Da wurde BESTÄTIGT, da wurde GELOBT (zwei der angeblich wichtigsten Schlagwörter in der Erziehung des Hundefreundes), und der Hund durfte vor der Hunde-Erziehungs-Lern-Stunde noch nichts fressen, damit er dann in der viel Hunger hatte und ich ihn mit Leckerlies voll stopfen konnte. Oder musste. Ansichtssache. Weiterführend bedeutet dies: Damit der Hund ganz super funktionieren wird, muss er vorher hungern. Okay.
„Und was mache ich zum Beispiel, wenn mein Welpe aufs Bett hüpft?“
„Na, dann nimmst du ihn sanft runter. Und wenn der Hund unten sitzt, bekommt er ein Leckerli.“
Da gibt es keine Bestrafung.

Wichtig ist es, hier zu erwähnen, dass ich mit „Bestrafung“ keinesfalls meine, den Hund körperlich zu misshandeln. Nein, nein!
 Das wirklich nicht.

„Jedenfalls wird alles, was mein Hund „schlecht macht“ ignoriert?“ „Jawohl!“
So ist das! Und dann wunderte ich mich, warum mein Hund nach WOCHEN noch immer einfach aus Spaß aufs Bett hüpfte und es sich bequem machte. Ich hatte ihn doch mit viel Geduld immer und immer und immer wieder mit LECKERLIES vom Bett herunter geholt und dann viel gelobt. „Wieso klappt denn das nicht?“, fragte ich mich immer wieder.

In diesen Hundeschulen lernt man…, ja was denn eigentlich? Fußgehen, mit Leckerlies. Kommandos wie „Sitz“, „Platz“, „Steh“ oder „Bleib“ mit Leckerlies.
„Und wie mache ich das dann auf der Straße? Wie rufe ich meinen Hund, wenn ich spazieren bin und er wieder einmal abhaut?“ Na ja, in den Hundeschulen bekommt man die „Anleitungen zum Selbermachen“. Dass diese vielleicht der eine oder andere nicht umsetzen kann, ist ebenfalls hier nicht das Thema. Thema ist, dass man oft nicht lernt, wie man denn diese Probleme, die man draußen hat, handhabt.
Und dann kam mir eben – zur traurigen Bestätigung – immer wieder zu Ohren: „Am Platz funktioniert mein Hund so toll, aber draußen ist es eine Katastrophe!“ Sicher liegt es teils an der Inkonsequenz des Hundeführers, manchmal aber auch an anderen Dingen. Sie können es sich vorstellen, hoffe ich!?

Zurück zu dem Artikel. Leider Gottes ist man als Ersthundebesitzer oft nicht in der Lage, einen guten von einem schlechten Trainer unterscheiden zu können. Aber davon einmal abgesehen, neigen auch viele Hundebesitzer dazu, ihren Hund ja nur lieb zu haben, weil er ja „sooo süß ist“. Und es ist in den letzten Jahren einfach modern, den Hund über sanfte Erziehung, ich nenne es antiautoritär, soweit zu bringen, dass sich der Hund vielleicht wohlfühlen mag, der Mensch aber nicht.
Wie ist denn das bei der Kindererziehung? Soweit ich weiß, ist es allgemein üblich, Kindern ihre Grenzen zu zeigen, wenn sie unfolgsam sind, wird da und dort schon einmal geschrien. Bei Hunden nicht. Wieso, bitteschön?

Mein kleiner Exkurs lautet – und dies wird auch immer mehr bestätigt:
Hunde brauchen Grenzen. Hunde brauchen eine Konsequenz, sie verlangen ja ganz offensichtlich danach. Und ein Hund, der seine Grenzen weiß, hat viel mehr Freiheiten als ein Hund, der unfolgsam ist und am Ende nicht mehr von der Leine darf/kann. So schaut es aus.
Schon ein Welpe möchte wissen, was er tun darf und was nicht. Und er ist nicht „beleidigt“, oder vielleicht „schmerzverzerrt“, wenn man ihm mit gewisser Strenge kommt, und ihm die Grenzen lernt. Hunde lernen. Und Hunde brauchen ein abgestecktes Revier, das wir bestimmen. Einen positiven Effekt hat dies dann noch: Wir werden für unseren Vierbeiner interessant(er). Er schätzt uns ja genau ein.
Und dann kommt die Phase, wo der Hund noch einmal ausprobiert, ob er vielleicht nicht doch durchkommt. Da ist wieder unsere Konsequenz gefragt. Mit Stimme, Körpersprache und mit vielleicht einem sanften Ruck im Genick. Das ist alles.
Das Motto lautet: „Wenn mein Hund etwas macht, was ich nicht möchte, dann zeige ich ihm das auch.“ Und bitte nicht mit Leckerlies und sanfter Stimme. Dazu braucht man einfach nur eine strenge Stimme und ein bisschen Selbstbewusstsein. Sie werden sehen.