Die Community ist tot – es lebe die Community

Nun einst das Forum des ÖRC genannt, jetzt der Name „Community“.
Hat das Forum doch früher in der Vergangenheit sicher für viele auch sehr anstößig gewirkt, für andere aber viel Raum für Diskussionen gelassen, man konnte so einiges in Frage stellen. Ist die jetzige Kommunikationsform des ÖRC eher wie eine kalte Tasse Kaffee, die vielleicht nicht schmeckt aber halt schön aussieht? Ich weiß, ich weiß, die anonymen Schreiber, die es an die Spitze trieben und oft manches Vorstandsmitglied zur Weißglut brachten… Aber das gibt es nicht mehr.
Jeder soll sich namentlich einloggen. Jeder ist erfassbar. Und angreifbar. Natürlich. Man muss auch Verantwortung tragen für den Blödsinn, den man schreibt. Ist auch okay. Verantwortung zu tragen, für das gerade zu stehen, was man so schreibt. Sicher auch eine Form der Ehrenhaftigkeit. Jetzt sind alle glücklich und zufrieden, denn es gibt keine Kritik. Der ÖRC ist wie ein weißes Blatt. Sauber, ordentlich und nett. Freundlich, verantwortungsbewusst und zuverlässig. Nach außen hin seriös, und ohne Kritik behaftet. Die Forumsteilnehmer - anonym oder nicht - schweigen. Und schweigen, und schweigen. Nun, ich war immer schon ein Gegner davon, dass die Anonymität gestrichen wird. Genau aus diesem Grund, weil viele aus Angst vor Repressalien anonym bleiben wollen. Ganz klar, dass es viele Idioten gibt, die einen ausgesprochenen Blödsinn schreiben, das ist der Nachteil. Aber die Vorteile eines Barometers der demokratischen Meinung mancher Mitglieder - vielleicht auch unter der Anonymität - manche Dinge zu sagen, die man sich denkt, ist auch verloren. Was bedeutet dies für den ÖRC?
Das Forum als Ventil gibt es nicht mehr. Das heißt, es besteht Schweigen. Und gerade das kann mitunter auch für den ÖRC ein Nachteil sein. Ich kann mich gut erinnern, dass manch wenige gute Beiträge, sei es von Anonym oder nicht, viele dazu veranlasst haben, über einiges nachzudenken. Ganz klar, Kritik verträgt keiner, und manche Dinge muss man zähneknirschend hinnehmen. Aber mir ist lieber, ich nehme zähneknirschend von einer Lolita, einem Franzi oder Schnuffi etwas hin und weiß, was los ist, als dass ich gar nichts weiß. Wir können nicht davon ausgehen, dass beim ÖRC alles toll funktioniert, und auch ein Vorstand muss die Bereitschaft zur Selbstkritik hinnehmen können, denn sonst verliert er jeglichen Bezug zur Realität und/oder Wahrheit. Die derzeitige Situation – eine Mischung des "Big brother is watching you", „Du darfst Deine Meinung äußern, aber Du wirst datenmäßig erfasst“. Realistisch betrachtet liegt es (fast) nicht in der menschlichen Natur, seine Meinung zu sagen. Dazu ist sicher jeder oder viele zu feige. Und das weiß die Führung des ÖRC ja genau. Und sie versteht es hier, eine „heile Welt“ zu schaffen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie so heil bleibt. Denn ein ÖRC für alle, den gibt es nur am Papier. Das Salz in der Suppe des Forums ist leider weg. Und somit auch der Blick zur Selbstkritik des ÖRC-Barometers. Die Anonymen, die gibt es immer noch. Sie sind bei anderen Foren und unter sich. Das Phänomen der Geschichte ist, dass der Mensch nicht aus der Geschichte lernt. Es lebe das Forum. Die Kommunikation ist tot.