Die fünf Charaktere

Wir haben ein Hobby, welches wir mit großer Begeisterung betreiben. Fernsehen. Aber nicht das übliche Starren in diese Kiste, die Filme spielt, sondern ich meine damit das Beobachten unserer Hunde.
Und das ist fast schon spannender als ein Thriller von eifersüchtigen Exfreundinnen, die ihre Männer umbringen wollen. Und vielleicht unter dem Motto
Sex and the City ihren Frust loswerden wollen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Immer wieder
 - und oft stundenlang - witzig, unser Rudel zu beobachten. Data – straight, immer wieder der Beamte. Liegt meist in einem, seinem Eck und beobachtet unsere Kasperln Tyke und Raven. Nora ist auch mit von der Partie, unsere Oberzicke, die sowieso irgendwie ein Eigenleben führt. Aber okay, es ist ein Golden. Und Dyson, unser Extremsportler. Er ist Mister Bombastic, unser Mister Lover Lover. Und natürlich auch unser Bruchpilot, der sich immer wieder irgendwo Cuts holt – weswegen er auch Scarface genannt wird, da er immer wieder wie ein Rammbock durch den Wald saust. Tja, da ist Data der elegantere, der es wirklich versteht, jeder noch so dornigen Hecke auszuweichen und durch den Wald zu tanzen.
Aber bleiben wir zu Hause. Raven, der Clown. Er hat die offene Art: „Hey, da bin ich! Hurra die Gams! Jetzt überfalle ich Tyke, der ist mein Opfer.“ Aber immerhin, er hat es geschafft, Tykes introvertierte Art aufzuweichen, denn Tyke ist eigen. Im Feld und hinter dem Dummy her, zu Hause aber sicher nicht der Schmusehund. Er hat es in der Vergangenheit als Welpe geschafft, uns mit dieser Art zu beschäftigen. Aber Raven hat es geschafft. Ganz offen, ganz klar, ganz lustig, und zugleich auch mit einem Hurra, öffnet er Herzen, „der Rave ist wieder da“. Die Zicken-Nora beobachtet aus dem Eck, ich weiß nicht, ob sie Mama ist oder Tante, nur wenn es zu viel wird, knurrt sie auf. Und beide Kleinen, Tyke und Rave, sich kurz zurückziehen und dann weiterspielen. Dann kommt aber schon
Mister Bombastic, Lover Lover
Dyson. Lässt seine Muskeln neben Tyke spielen, um ihm zu zeigen, er ist der Boss. „Ich reite dir auf. Denn ich bin Mister Bombastic. Mister Lover Lover.“ Natürlich versucht sich Tyke zu wehren, so ähnlich, wie ein schlaksiger siebzehnjähriger Bursche sich mit einem Bodybuilder anlegt. Und Raven dazwischen, mit seiner offenen Art: „Hallo, wer will mit mir spielen?“ Obwohl oben – über ihm - die Luft schon sehr dick ist und sich die beiden Rüden wie im Film High Noon in die Augen sehen. Nun steht auch Data auf. The Boss. Er bleibt stehen, beobachtet alles, und über uns hören wir schon leise Spiel mir das Lied vom Tod. Wohl über den Dingen stehend und meinend: „So, ihr Bekloppten, jetzt ist bald Ruhe.“ Die zwei jungen Rüden sehen sich immer noch an und stehen schon Brust an Brust. Klein Raven spielt unten mit den Ruten, und Boss Data versucht, endlich Ruhe hinein zu bringen. Seine Brust schwillt an, seine Rückendeckhaare steigen und ein ganz tiefer, leiser Knurrer klingt durch den Raum. Es wird still. Natürlich beobachten sie auch uns, was wir dazu sagen. Wir mischen uns hier nicht ein, wir halten uns raus. Susanne tippt scheinbar etwas, ich lese in meinem Buch und wir versuchen beide, aus den Augenwinkeln zu sehen, was passiert. Die Spannung wird immer dicker. Mister Bombastic sieht Tyke in die Augen, nicht mehr so ganz sicher, weil hinter ihm der wahre Boss steht. Okay, Tyke gibt auf und geht in seine Box. Mister Bombastic legt sich ruhig auf seinen Platz, und auch klein Raven kommt irgendwann einmal drauf, dass die heiße Luft auch schon in seiner Nähe angelangt ist. Er schleicht sich unter unsere Füße. Big Boss steht ganz stolz und sagt sich: „I´m the boss. I´m the greatest. Ich bin erhaben.“ Doch dann kommt die Zicken-Nora. Reitet ihm auf und zeigt ihm, wer der wirkliche Boss ist. Und das Spiel beginnt wieder von vorne. Diesmal zwischen Data und Nora. Dieses Spiel wechselt sich immer wieder ab. Für uns der beste Kurs, um Calming Signals, Rudelverhalten und Charaktere zu beobachten.

Susanne & Thano