Kinder,
Erwachsene und/oder auch alte Menschen, die alleine sind, wünschen sich einen
Hund. Sei es nun aus Beweggründen wie Tierliebe, weil „ja XY auch einen Hund
hat“, oder „weil man dann endlich einen Grund hat, bei jedem Wetter raus zu
müssen“ (Wobei ich bei Sturm und Regen seltsamerweise im Wald weniger als die
Hälfte der Hundebesitzer treffe, als wenn strahlender Sonnenschein wäre. Fragt
man nach, bekommt man zur Antwort: „Mein Hund mag keinen Regen. Der geht vor die
Tür und will nur schnell wieder rein.“ Okay, vielleicht gibt es einige Hunde,
die wirklich so sind. Das möchte ich nicht absprechen. Aber so viele? Unsere
sind jedenfalls nicht „wetterabhängig“, die wollen immer raus.), weil man schon
einmal einen Hund hatte oder weil man vielleicht einem Hundesport verfallen ist
und nun der eine Hund alt geworden ist, man möchte züchten oder vielleicht
einfach nur mehrere Hunde führen.
Oder man nimmt sich einen Hund, weil man diesen zu beruflichen Zwecken braucht
und dieser eigentlich „nur ein Gebrauchsgegenstand ist“. Schön und gut. Oder
vielleicht doch nicht? Bekommt dieser Hund, was er braucht? Vielleicht regt das
jetzt zum Nachdenken an, ich möchte aber das Thema woanders hin lenken.
Gehen wir vom Familienhund aus. Vielleicht sogar Ersthundebesitz. Ein Paar,
kinderlos, nimmt sich einen Hund. Vielleicht kommen ja noch später Kinder.
Jedenfalls ist zuerst einmal der Wunsch nach einem Hund da. Ein Labrador soll es
sein. Weil das ja Familienhunde sind. Und weil man die so oft auf der Straße
sieht. Gut, der oder die Kleine kommt dann recht schnell ins Haus. Und, so
schnell kann man gar nicht schauen, wird der Hund total vermenschlicht. Bekommt
hundert verschiedener Decken, eine fürs Wohnzimmer, eine fürs Schlafzimmer, eine
fürs Bad, weil der Hund ja auch dort gut liegen soll, und so weiter. Und die
größte Sorge der „Mama“ wird, dass der Hund pünktlich sein Häufchen machen kann,
und ojee, ojee, wenn er das nicht pünktlich tut. „Was ist denn nur los mit ihm,
heute hat er noch nicht Haufi gemacht?!“ „Glaubst du, dass es ihm nicht gut
geht?“
Der Hund wird auf die Couch geholt, weil der Arme ja nicht auf dem harten Boden
liegen soll, wenn er hüstelt, wird er bemitleidet, und frage nicht, was
passiert, wenn der Hund einmal allein bleiben sollte. „Er tut mir so leid!“ Und
dann, schon im Welpenalter im Spiel, nervt er vielleicht einen erwachsenen Hund,
und dieser weist ihn in seine Schranken. Das arme Baby wird nun schön
bemitleidet und gestreichelt. Nur schön bestätigen. Immer wieder.
Und später einmal zeigen sich die Folgen. Der Hund wird der Boss.
Was für mich wirklich schlimm ist, ist die Tatsache, dass ein Hund vom ersten
Tag an die Sprache des Menschen lernen muss. Er muss, ob er will oder nicht.
Klar. So ist das nun einmal. Aber die wenigsten Menschen erlernen die Sprache
des Hundes. Der Hund kommuniziert andauernd mit uns. In seiner Sprache. Wenn wir
diese nicht kennen, oder, was noch schlimmer ist, gar nicht wissen, dass es
diese gibt, ignorieren wir sie. Was bringt das? Frust auf der Seite des Hundes.
Der Hund achtet auch in jeder Sekunde seines Lebens auf unsere Körpersprache.
Setzen wir diese nicht richtig ein, versteht uns der Hund nicht, und wir
verstehen ihn nicht, und dann entwickelt sich ein Teufelskreis, aus dem man nur
schwer wieder heraus kommt.
Irgendwann wundern wir uns, wenn Hund nicht mehr auf unsere verbalen Kommandos
reagiert. Warum auch immer. Ist er unfolgsam? Wahrscheinlich. Oder er versteht
uns nicht (mehr).
Dabei, meine Lieben, ist es so einfach, mit dem Hund so „sprechen“. Man braucht
nur Hunde untereinander zu beobachten, wie sie miteinander reden, auf einmal
hundert verschiedene Gesichtsausdrücke haben, wie – beinahe das Wichtigste – die
Rutenhaltung ist. Wie Hunde sich gegenseitig erziehen, dem Jüngsten seine
Grenzen gezeigt werden. All das kann man sich abschauen, lernen, und dann selbst
anwenden. Und dann plötzlich merkt man, wie der Hund gut auf „seine Sprache“,
die wir anwenden, reagiert. Wenn ein Knurrlaut von uns bewirkt, dass der Hund
uns beschwichtigt, indem er sich übers Maul schleckt und sich dann hinlegt.
Haben Sie schon einmal beobachtet, wie Ihr Hund reagiert, wenn Sie mit Ihrem
Partner etwas lauter diskutieren? Beobachten Sie. Wenn Sie auf einmal merken,
dass Ihr junger Hund in Frage stellt, dass Sie der Chef im Haus sind – überlegen
Sie, was ein anderer, älterer Hund tun würde.
Und ich sage Ihnen noch etwas: Das Ganze hat einen sehr tollen Nebeneffekt,
nämlich, dass Ihr Hund auf einmal viel besser auf Sie achten wird als vorher.
Weil Sie spannend sind. Weil Sie in seiner Sprache reden. Sie werden es selbst
erleben.
Und noch etwas: Die Sprache des Hundes nennt sich "Calming Signals", und auch
dazu gibt es einige gute Hundebücher zu kaufen! :-)
Beate K.