Ein offenes Buch
Wenn man mit seinem Hund arbeitet, sei es nun für Working Tests oder etwas
anderes,
sind mehrere Punkte wichtig:
* Konzentration auf sich und seinen Hund
* Körperbeherrschung
* Freude an der Sache
* Das offene Buch Hund lesen lernen
* Einfühlungsvermögen
Und als Ergebnis:
* Team sein mit sich und seinem vierbeinigen Partner
Nur ist es oftmals schwer, all diese Punkte unter einen Hut zu bringen und
zu koordinieren. Wir beobachten immer wieder Hundeführer, die schon recht
bald scheitern oder spätestens in den höheren Klassen des Working Tests
aufgeben, weil sie einen oder mehrere dieser Punkte nicht beherrschen
(können), und dadurch einfach nicht mehr weiterkommen.
Davon soll nun unser Bericht handeln.
Beginnen wir bei der Konzentration. Klar ist die wichtig.
Ohne die geht es nicht. Und die haben wir auch alle. Die Punkte
Körperbeherrschung und die Freude an der Sache sind
unserer Meinung nach auch längst kein Thema mehr. Diese Punkte sind also für
uns nichts Neues mehr. Außerdem kann man diese Punkte, wenn man kein
blutiger Anfänger mehr ist, sowieso beiseite legen, da man annehmen sollte,
dass diese Dinge selbstverständlich sind und auch funktionieren.
Und damit kommen wir schon zum nächsten wichtigen Punkt: Das
offene Buch Hund lesen lernen.
Nun, das ist nicht so einfach. Lesen lernen seines Hundes bedeutet, ihn
nicht nur beim Training zu beobachten, sondern immer und überall. Seine
Vorlieben (jeder Hund hat diese), seine Reaktionen, sein Wesen zu kennen,
und schließlich als Mensch davon zu lernen. Wir erwarten ja auch von unserem
Hund, dass er unsere Sprache beherrscht. Also sollten wir auch seine
beherrschen.
Und schließlich kennt man seinen Hund auch immer besser
beim Training. Das ist die erste Stufe der Pyramide.
Jetzt zum nächsten Punkt,
dem Einfühlungsvermögen.
Auch hier kann man oft beobachten, wie Hundeführer mit harter Stimme,
steifem Körper und immer nach dem bekannten Schema F verfahren. Das sind
genau jene OHNE Einfühlungsvermögen. Diese Gespanne bleiben irgendwann
stehen, erreichen nie den hohen Level des Team-Seins.
Das Ziel ist, seinen Hund lesen zu lernen um dann spontan reagieren zu
können. Unsere Hunde sind keine Maschinen. Sie sind Lebewesen wie wir – und
kein Mensch kann verlangen, dass der Hund immer gleich reagiert.
So sehen wir das auch selbst bei unseren Hunden. Bestes Beispiel: Das
Voranschicken. Wir haben an die fünf bis zehn unterschiedliche Varianten,
unseren Hund voran zu schicken – obwohl es immer die gleichen zwei Kommandos
sind: für ein Mark und für ein Memory/Blind. Jedoch ist die Stimmlage
abhängig von meinem Hund – und diese ist es auch, die so stark variiert. Wie
ist die Distanz, wie ist der Hund drauf, ist er unsicher oder nicht, wie ist
man selbst drauf, all das ist wichtig. Und wenn man seinen Hund lesen lernt
und auch das Einfühlungsvermögen hat, ist es nicht mehr schwer, vorher
einzuschätzen, was passieren wird. Wie der Hund reagieren wird. Und auch der
Hund wird sicherer. Er lernt uns kennen, durch und durch. Und dann wächst
man langsam zusammen, denn dann kann kein anderer mehr den Hund so führen,
wie man selbst.
Durch Einfühlungsvermögen kann man immer wieder auch kleine Probleme, die
man mit dem Hund hat, lösen, weil die Lösung eben nicht – wie manche glauben
– einfach wie ein Kochrezept in einem Buch steht.
Das Ergebnis aber ist, dass man mit seinem Hund
kommuniziert. Durch Stimmlage, Körperhaltung, und man entwickelt kleinste
Zeichen, die der Hund zu deuten weiß.
Was bedeutet es, Team zu sein?
Die Formel ist folgende: Hund lesen + Einfühlungsvermögen =
(früher oder später) Team sein.
Dieses Team-Sein kann man in ihrer Perfektion immer wieder beobachten.
Hund und Hundeführer sind eingespielt aufeinander. Verstehen einander schon
beinahe blind. Der Hund „gehorcht“ aufs Wort, weiß oft schon vorher, was
kommen wird. Der Hund ist erfahren, der Mensch auch. Mit den Jahren wird man
zu einem eingespielten Team, es sind keine Fragen mehr offen. Man arbeitet
miteinander, die Harmonie ist sichtbar und macht Hund, Mensch
und Zusehern
große Freude.
Manchmal ist dann das Team so eingespielt, dass „der alte Hund ja irgendwie
fad geworden ist“ und der nächste Hund steht ins Haus. Ist okay so, und hier
auch nebensächlich.
Oder der neue Hund steht ins Haus, weil mit dem „alten“ gerade das –
Team-Sein - nicht erfüllt
werden konnte und man es halt mit dem nächsten
versucht. Wo es dann auch wieder so sein wird, dass Hund und Hundeführer
nicht harmonieren, weil die gemeinsame Linie nicht gefunden wird, unter
anderem deshalb, weil dem Führer einfach das Einfühlungsvermögen fehlt. Und
wenn ihm dieses fehlt, wird es ihm bei jedem Hund fehlen, mit dem er einen
Neustart versucht.
Wenn man die oben genannte Formel erfüllt und man dann mit seinem Hund
arbeitet, ist dies ein reines Fließen an Bewegungen. Der Hund scheint
der verlängerte Arm
des Menschen zu sein, scheint einfach nur die Gedanken des Menschen
auszuführen.
Und man wird zum Team.
Das Ziel ist für nicht, zu gewinnen. Unser Ziel ist es, eins mit unserem
Hund zu sein.
Susanne & Thano