Ein ausgebildeter Field Trialer?
Ich möchte
gerne meine Meinung zu einem Thema schreiben, welches mich in letzter Zeit sehr
bewegt hat.
Und ich bin sehr dankbar darüber, hier die Möglichkeit dazu zu haben.
Warum nimmt man sich eigentlich einen Arbeitshund, sei es ein Labrador oder ein Golden? Richtig, um mit dem Hund auf Working Tests und eventuell auf Field Trials zu gehen.
Meist beginnt es mit ziemlich viel Spaß und Freude an der Sache. Man erfährt von dieser Art, mit dem Hund zu arbeiten, steigt in die Szene ein und die Fortschritte, die man mit dem Hund macht, bereiten eine Freude, vergleichbar einem Lottogewinn. Es zeigen sich erste Trainingserfolge, der Hund und vor allem auch der Mensch lernt dazu und man kommt immer weiter.
Dann
startet man bei den ersten Working Tests. Bekommt diesen berühmten „Kick“ dabei,
und es macht immer mehr Spaß. Doch langsam, ganz leise schleicht sich dann ein
Zwang hinein. Der Zwang, gut sein und Erfolg haben zu wollen. Die Konkurrenz.
Dieses Wort ist plötzlich präsent. Immer wieder. Zu Hause hat man den Hund, der
gewinnen kann. Es liegt nur an einem selbst. Doch durch die Angst zu versagen
und der Druck, den man sich auferlegt, trainiert man immer mehr und mehr, und
das Ergebnis ist eigentlich nur negativ.
Der Spaß
geht verloren.
Was
passiert? Wir wollen immer noch besser werden. Obwohl wir gerade dadurch
vielleicht, in manchen Fällen, immer schlechter werden.
Und dann
kommt irgendwann die Überlegung, sich einen „fertigen“ Hund zu nehmen. Einen,
der schon ausgebildet ist. Von einem Profi. Weil das ja der einfachere Weg ist,
siegen zu können. Und bei seinem Hund hat man ja so viel falsch gemacht. Was mag
das bedeuten?
Man ist ja
selbst ein toller Profi und tut sich die Arbeit ja nicht mehr an, einen Welpen
groß zu ziehen. Man möchte einen fertigen Hund, mit dem man gewinnt.
Nur, dabei
verliert man einiges. Man erlebt keine Höhen und Tiefen während der Ausbildung.
Man kann sich nicht an den Fortschritten vom Hund und von sich selbst erfreuen.
Man ärgert sich nicht, wenn beim Training einmal etwas nicht ganz so toll
geklappt hat.
Dann bekommt man eben einen „fertigen“ Hund. Man hat keine Bindung zu diesem Hund. Und dann soll man mit ihm gewinnen?
Nur stellt
man sich dies einfacher vor, als es ist.
Bedenken
wir eines: Der Hund, wenn er mit uns arbeitet, achtet auf jede kleinste
Körperbewegung von uns, er kennt uns in- und auswendig. Er kennt unsere
Körpersprache, unsere Haltung und lernt diese zu lesen und weiß, was er zu tun
hat, wenn wir dies oder jenes machen. Da reicht nicht allein ein Pfiff.
Der
Ausbildner trainiert den Hund mit bestimmter Stimmlage, bestimmten Körperzeichen
(diese können natürlich ganz unbewusst sein).
Jetzt wird
der Hund auf einmal von jemand anderem geführt. Der Hund versteht diesen „neuen
Menschen“ größtenteils nicht. Und ich zweifle nicht daran, dass auch der
Hundeführer Probleme damit haben kann, den Hund zu führen. Vielleicht ist er „zu
schnell", er reagiert anders als der „alte“, gewohnte Hund, die Bewegung ist
eine andere und in der Distanz schwer einzuschätzen. Außerdem gibt es keinen
„perfekten“ Hund und auch dieser ausgebildete wird irgendwelche Macken haben,
von denen der neue Hundeführer aber keine Ahnung hat.
Nun, ganz ehrlich, da haben wir dann einen tollen, fertigen Hund, aber müssen wir dann nicht erst recht wieder von vorne beginnen? Den Hund kennen lernen? Und umgekehrt?